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Die Hinsz-Orgel der Petruskirche in Leens |
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Um das Jahr 1733 erhielt der noch recht junge Groninger Orgelbauer Albertus Anthoni Hinsz von Frau Anna Habina Lewe, verwitwete Van Starkenborg (einer 'Douariere' d. h. adligen Witwe) und gleichzeitig Vikariatsschirmherrin der Petruskirche von Leens, den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel am Westende des Baus. Sie sollte die alte Orgel ersetzen. Da die "Dame von Stand" alle Liegenschaften dieser Kirche im Groninger Land managte, war sie völlig unabhängig in ihren Entscheidungen. Hinsz, ein geborener Hamburger, hatte sich 1728 in Groningen mit seiner Werkstatt niedergelassen. Für ihn war es der zweite Bau eine relativ großen Orgel. Als Frans Caspar Schnitger 1729 starb und dessen Witwe Anna Margaretha Debberts die Orgelwerkstatt weiter führte, vollendete Hinsz die angefangene Überholung des Orgelwerkes in der Martinikirche zu Groningen und etablierte sich damit schnell als Meister seines Fachs. 1732 heiratete er die Witwe Schnitgers. Das zweimanualige Instrument mit 27 Registern, mechanischer Traktur und unabhängigem Pedal hat ein Hauptwerk und ein Rückpositiv. Beide Werke lehnen sich in Formgebung und Detaillierung an die Michaelskirche in Zwolle an, sind reich mit Schnitzwerk dekoriert und eine wahre Augenweide. |
Die Konstruktion des Rückpositivs in Leens übernahm Hinsz nachgewiesenermaßen von Schnitger, der es für die Orgel in Zwolle gebaut hatte. Spätere Eingriffe hielten sich offensichtlich in Grenzen; so erfolgte 1843/44 eine Restauration, 1867 dann nach dem Bau des neuen Kirchturmes eine Reparatur und 1922 wieder eine Restauration, bei der man allerdings einige Stimmen ersetzte. Während der Reparaturarbeiten in der Kirche blieb die Orgel gut verpackt, dennoch musste sie danach wieder spielbar gemacht werden. Schließlich entschied man sich, das kostbare Instrument komplett zu restaurieren, wobei die Arbeiten sich von 1963 bis 1967 erstreckten. Dabei stellte man auch die ursprüngliche Disposition wieder her. Ab 1968 ist das Instrument vollständig wiederhergestellt und wird seit dem regelmäßig gebraucht. (Nach Angaben der Stichting Hinszorgel Leens).
Die Sample-Aufzeichnung hatte das Format 24 Bit/96 kHz; nach der Postproduction erfolgte dann die Umsetzung auf 48kHz. Natürlich muss man das Instrument nicht mit 24 Bit Auflösung spielen, aber die Audiokarte sollte doch 48 kHz unterstützen. Alle Register haben Multi-Release-Samples, ausserdem sind 17 Tremulant-Samples vorhanden. Bei der Installation stehen beide Monitorauflösungen zur Verfügung; für eine von Ihnen muss man sich erst beim Schritt 'Load organ' entscheiden, kann aber durchaus beide Versionen so installieren, dass eine von ihnen zu laden ist.
Orgelexperten bescheinigen dem Instrument einen nach Jahrhunderten immer noch erhalten gebliebenen 'lebendigen und inspirierenden' Klang, der ganz offensichtlich auch in der Übertragung ohne Abstriche vorhanden ist. Besonders fällt dies zusammen mit den angenehm diffusen und zurückhaltenden Halleigenschaften des Kircheraumes auf und ergibt überzeugende Durchhörbarkeit aller musikalischen Linien bei den unterschiedlichsten Stimmenkombinationen. Mit 27 Registern bietet sich ein reicher Klangfarbenvorrat für jede Art vorromantischer Literatur, der vielleicht etwas weniger an Bachscher Gravität zu bieten hat, aber generell überzeugt. So steht neben anderen Registern im Hauptwerk eine zurückhaltende 16'-Quintadena, so recht geeignet für die Kombination mit den Grundstimmen, eine weich intonierte Trompete sowie eine schön verschmelzende Mixtur.
Nun hat Sygsoft diese Orgel gesampelt und sowohl für den Gebrauch in HW 2.xx als auch die Version 3.00 eingerichtet. Auf der Unter-Webseite /eigenschappenleensnl.php lässt sich ersehen, welche Register von Hinsz stammen, welche später hinzugefügt wurden. und welchen Tonumfang Manuale/Pedal haben. Die Dispositionsliste ist lobenswert ausführlich und enthält sogar die Zusammensetzung der Mixturen im Detail. Die Stimmung ist gleichschwebend a' = 461 Hz und steht damit etwa einen Halbton über Normal. Den Informationen auf der DVD lässt sich entnehmen, dass der Tonumfang der virtuellen Orgel in den Manualen um zwei und im Pedal um drei Töne nach oben erweitert wurde.
Während die etwas stilisierte Übersichtsdarstellung des virtuellen Spieltisches ausschließlich die epochentypischen Bedienelemente des realen Vorbildes mit Manualen, Pedal und angedeuteten Manubriene spiegelt, enthalten die Detailbildschirme neben linkem und rechtem Registerfeld noch 20 in der Gestaltung gut angepasste Kombinationsspeicher, Capture- und Clear-Knöpfe und sonstige Spiel/Gestaltungshilfen. Dazu zählen auch die drei Standardkoppeln Pedal - HW, Manualkoppel und Pedal - Rückpositiv.
Bei der empfehlenswerten Monitorauflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten - sie ist neben 1024 x 768 auf dem DVD-Satz enthalten - bietet sich ein gutes Arbeitsfeld für einen bzw. zwei Touchscreens. Eine weitere Gesamtdarstellung mit allen Elementen erlaubt dazu den Betrieb mit nur einem solchen Monitor. Sei noch erwähnt, dass die Darstellung der Balganlage interessante Einblicke in die Windversorgung, sogar mit Details zu den einzelnen Windladen bietet.
Virtueller Gesamtspieltisch
Linkes Teilfenster
Rechtes Teilfenster
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Nach Angaben von Sygsoft ergibt sich folgende RAM-Belegung:
- Volle Orgel 24 Bit/48 kHz, Register unkomprimiert, Multi-Loops, Multi-Release, Spielgeräusche 16 Bit, komprimiert: 6,610 GByte
- Volle Orgel 24 Bit/48 kHz, alle Register komprimiert, Multi-Loops, Multi-Release, Spielgeräusche 16 Bit, komprimiert: 6,610 GByte
- Volle Orgel 16 Bit/48 kHz, alle Register komprimiert, Síngle-loop, Single-Release, Spielgeräusche 16 Bit, komprimiert: 1,812 GByte
- Volle Orgel 14 Bit/48 kHz, alle Register komprimiert, Single-Loop, Single-Release, Spielgeräusche 14 Bit, kompimiert: 1,721 GByte
Das Rückpositv ist u. a. mit einem Dulciaan bestückt, der sich gut für Solostimmen eignen dürfte. Wer das klangliche Gewicht der Oberstimmen im Tutti etwas abschwächen möchte, kann dies per Intonation feinabgestimmt durchaus tun. Überzeugend ist der auf alle Register wirkende Tremulant; er schwingt fein und sauber ohne überzeichnete Modulation. Auch hier lässt sich die mehr zurückhaltenden Grundeinstellung mit der Intonationsfunktion in Hauptwerk verändern.
Eine Besonderheit der Orgel sind ihre drei Sperrventile (Afsluiting). Man sollte nicht vergessen, sie zu öffnen. Schließt man sie z. B. beim Halten eines Akkords, so wird die Modellierungseigenschaft von Hauptwerk sehr wirkungsvoll hörbar; der Winddruck fällt dann mit deutlichem 'Absacken' der Stimmung und Trübung der Intonation ab, bis der Klang völlig verstummt.
Dass die reichhaltigen Demo-Dateien bei Sygsoft sowohl als Einspielungen auf der echten Pfeifenorgel als auch in der HW-Übertragung vorliegen, erlaubt einen sehr informativen Vergleich der Klangbilder, wenn man auch keine identischen Werke dazu verwendet hat. Während die Live-Aufnahmen einen typischen raumbedingten Tiefenabfall hören lassen, scheint es als ob die untere Pedaloktave im Sample-Satz leicht nivelliert wurde - ein keineswegs unwillkommener Effekt, bei dem man sich sogar streiten könnte, ob sich bhier nicht eine Chance bietet, eine gewisse Unvollkommenheit der Beziehung Pfeifenorgel - Raum ganz legitim auf elektronische Weise etwas zu begradigen. Die Repertoireauswahl stellt gleichzeitig einen Anhaltspunkt dar, welche Werke auf diesem Instrument überzeugend dargestellt werden können. Daneben bietet die Stichting Leensorgel einige CDs an, die ebenfalls Hinweise auf eine geeignete Literaturauswahl geben. Und da beide Quellen recht umfassend sind, zeigt dies, welchen Stellenwert die Hinsz-Orgel innerhalb der Sample-Sätze für HW3 potentiell einzunehmen vermag.
Hier noch einige Informationen von Fred de Jong, dem Initiator des Sample-Satzes: Er weist darauf hin, dass das originale Instrument von Hinsz ohne Koppeln abgeliefert wurde. Manualkoppel und die Koppel Pedal - Hauptwerk wurden 1981 vom Orgelbauer Vulpen hinzugefügt, während die Koppel Pedal - Rückpositiv nur in Hauptwerk vorhanden ist - sicher eine sehr nützliche Ergänzung dieses rundum stimmigen Sample-Satzes.
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