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Hauptwerk im Detail (2) |
Lässt sich Hauptwerk an unterschiedliche Nutzer-Ansprüche anpassen?
Das Programm gibt es für Windows- und Applerechner mit einem Preisunterschied von etwa 1:2,4 zwischen Basic- und Advanced-Edition. Bei der Basic-Edition sind einige Funktionen wie Mehrfach-Touchscreen-Ansteuerung, Windmodellierung, Mehrkanal-Audioausgang, registerweise Intonation und Erzeugung von MIDI-Ausgangsbefehlen nicht zugänglich; außerdem ist die Polyphonie auf 1024 gleichzeitig klingende Pfeifen begrenzt. Eine Basic-Lizenz lässt sich immer auf die Advanced Edition erweitern. Hier ist dank leistungsfähigerer Rechner die mögliche Polyphonie auf nicht weniger als 32768 Stimmen erhöht worden.
Kann ich Hauptwerk und die Sample-Sätze auf mehreren Rechnern installieren?
Der Einsatz des Programms ist mit einer Lizenz verbunden, die auch in einem Hardware-Schutz (Dongle) verschüsselt und mit dem Benutzernamen verknüpft ist. Er kann sowohl auf Windows- als auch auf Apple-Rechnern eingesetzt werden. Der Dongle schaltet - sobald er in einem USB2.0-Port steckt - die entsprechende Edition frei. Ohne ihn kann man nur die von einem Triangelton periodisch überlagerte Demo-Version spielen. Für jeden Rechner ist daher eine separate Lizenz zu erwerben. Da sich Sample-Sätze in die Lizenzvergabe mit einbeziehen lassen; gilt für sie dann das Gleiche wie für die Hauptwerk-Software. Es bleibt den Sample-Anbietern überlassen, welchen Gebrauch sie davon machen. Die Dongles sind für Windows- und Apple-Systeme gleich.
Wie sieht die virtuelle Orgel auf dem Bildschirm aus?
Der Computermonitor lässt sich mit Tab-Feldern meist auf mehrere Fenster umschalten, wobei der Spieltisch nur eines davon ist. Dargestellt werden alle Bildelemente, die zur interaktiven Bedienung nötig sind: Manual- und Pedaltasten, Register, Setzer und Schweller - alle mit virtueller Beweglichkeit. Natürlich sind diese Elemente entsprechend der Vorbildorgel beschriftet. Wie detailgetreu der Spieltisch ist, hängt von den Vorstellungen des Sample-Produzenten ab; jedenfalls erlaubt Hauptwerk ausgesprochen fotorealistische Darstellung.
Da der Monitor-Bildschirm wesentlich kleiner ist als ein Originalspieltisch, sind natürlich Kompromisse einzugehen, damit die Bedienbarkeit per Maus oder - weitaus ergonomischer - per Touchscreen erhalten bleibt, sofern man keine Steuerung mit externen Schaltern/Tastern über eine MIDI-Schnittstelle einrichtet. Neuerdings findet man eine zweifache Darstellung des Spietisches, eine davon mit der vergrößerten Abbildung von Registerzügen, Setzern und Koppeln, so dass der Zugriff darauf bei Touchscreen-Betrieb ergonomisch günstiger wird.
Bei importierten Orgeln aus der Vorgängerserie HW1.X sind die aktiven Stellelemente des virtuellen Orgelspieltisches nur innerhalb eines fest vorgegebenen Schemas, dies aber in funktionsfähiger Weise möglich.
Andere, zu einer bestimmten Orgel gehörende Fenster - sofern Sie vom Sample-Produzenten vorgesehen sind - betreffen allgemeine und werkbezogene Setzervoreinstellungen, die Programmierung des Crescendoschwellers und eine in Echtzeit arbeitende Windanzeige.
Der Originalspieltisch einer Skinner-Orgel...
...und in Hauptwerk 3.00. (Brett Milan)
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Kann man auch Fußschweller anschließen, und wie verhält es sich mit Rollschwellern (Crescendpedal)?
Die Einrichtung ist ausgesprochen unkompliziert, sofern solche Dynamikhilfen vom Sample-Anbieter vorgesehen sind. Einer oder mehrere Fußschweller wirken auf diejenigen Werke der Orgel, für die ein Schwellkasten (Enclosure) eingerichtet ist. Eine realistische Modellierung des Schwellers mit gleitender, lautstärkeabhängiger Obertonveränderung sowie ein voll funktionsfähiger, vom Benutzer programmierbarer Rollschweller/Crescendowalze gehören zum Funktionsumfang von HW 3.00. Durch seine freie Programmierbarkeit sowohl im Crescendo als auch im Decrescendo kann ein virtuelles Crescendopedal ähnlichen Einrichtungen in realen Pfeifenorgeln deutlich überlegen sein.
Wie klingt eine virtuelle Orgel?
Ganz allgemein gesagt reproduziert Hauptwerk zunächst die wesentlichen Eigenschaften von Orgeln in dem Maße, wie die Samples sie eingefangen haben und wieviel Interaktion mit dem Raum vorhanden ist. Atmosphärischer Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und besonders der je nach Anzahl der gespielten Töne und ihrer Fußlage sich stets verändernde Spielwind - alle diese Faktoren mit ihren Einflüssen auf den Klang einer Pfeifenorgel und damit auch ihres virtuellen Abbildes werden zusätzlich in einem komplexen Rechenvorgang in Echtzeit in ihrer Wirkung nachgebildet. Selbstverständlich sind diese Effekte in ihrer Wirkung von kaum merkbar bis übertrieben zu dosieren. Der Tremulant ist ebenfalls auf überaus realitätsnahe Weise zu simulieren, da er spezielle Tremulant-Samples zur Modellierung verwendet. In Hauptwerk kann man überdies mit einem Mausklick die Gesamtstimmung eines Instruments oder auch seine Temperatur nach unterschiedlichen Stimmungsschemata ändern - eine Erfahrung, die nur die virtuelle Orgel so unkompliziert ermöglicht.
Wo kann man Demo-Clips von virtuellen Orgel hören?
Links zu MP3-Clips enthalten die Crumhorn-Labs-Seiten sowie die URLs der entsprechenden Sample-Anbieter. Praktisch sind zu jeder Bauperiode eines Instrumentes Klangbeispiele von Werken typischer Komponisten vorhanden. Ein reichhaltiges Demo-Angebot - weniger unter Interpretationsgesichtspunkten denn zur Vorstellung bestimmter Instrumente zu sehen - gibt es auf den Virtually Baroque Webseiten von James Pressler. Werden die Pfeifensamples recht nachhallarm aufgenommen, könnte man dem Instrument digital erzeugten Hall nach eigenen Vorstellungen hinzugefügen. Bei vielen aktuell angebotenen Sample-Sätzen, die sich um authentische Raumwiedergabe bemühen, ist dies allerdings überflüssig; teilweise ist das Abschneiden von Sample-Nachhallphasen und damit ein künstliches "Trockenlegen"sogar blockiert.
Woher bekommt man Software und Samples?
Das Programm HW 3.00 ist in der jeweils aktuellen Version im Online-Shop von Crumhorn Labs zu beziehen; eine komplette Zusammenstellung aller Updates auch Preise erfährt man hier Bei der Bestellung ist zunächst anzugeben, für welche Rechnerfamilie die Lizenz gelten soll und ob man sie für die Basic- oder die uneingeschränkte Advanced-Edition erwerben möchte. Auch eine voll funktionsfähige Demo-CD-ROM wird angeboten. Die Bezahlung kann über PayPal erfolgen. Inzwischen gibt es in Deutschland Anbieter für die Hauptwerk-Software und Sample-Sätze; entsprechende Links sind auf den entsprechenden Seiten zu finden.
Wegen seiner realistischen Spielmöglichkeiten und der überzeugenden Vorbildnähe bringt Hauptwerk ganz neue Bewegung in das Sampeln von Orgeln. Mittlerweile bietet sich dem Orgelfreund eine reiche Auswahl von Instrumenten aus mehreren Epochen, Provenienzen und mit vielfältigen Dispositionen. Noch immer gibt es einen umfangreichen Bestand an Sample-Sätzen für HW1. Sie lassen sich zwar in das aktuelle Programm importieren, sind aber in ihrer Klangrealistik gegenüber 'echten' Sample-Sätzen für Hauptwerk ab Version 2 deutlich eingeschränkt.
Anfänglich sollten zwar modifizierte Versionen erscheinen; inzwischen scheint es jedoch, dass die Sample-Satz-Produzenten die funktionellen Anforderungen von HW 3.00 gleich bei der Aufnahme so umfassend berücksichtigen müssen, dass ein Umarbeiten früherer v1.xx-Versionen trotz allen Aufwands zu nicht mehr akzeptablen klanglichen Kompromissen führt. Andererseits hat dies auch eine gewisse Rückwirkung auf die Nutzer von Hauptwerk: Sie sollten immer die aktuelle Version der Software einsetzen, um erweiterte Funktionen, deren sich auch die Sample-Sätze bedienen, in vollem Umfang nutzen zu können.
Die nachstehenden Links führen zum jeweiligen Anbieter und gegebenenfalls zu einer Besprechung auf den Orgelbits-Seiten. Allerdings ist es hier nicht möglich, alle verfügbaren Instrumente und abgeleitete Versionen zu erfassen. Crumhorn Labs führt eine ständig aktualisierte Liste; daneben gibt es Tabellen des beachtlichen Angebotes, sortiert nach Manualanzahl, Speicherbedarf, Preis und Anbietern bei Brian Wolfe/MidiOrgan. Wer nach Free- und Shareware-Sample-Sets sucht, wird auf den Angebotsseiten von CL fündig und kann den Sample-Download von dort starten, darunter sogar den einer dampfbetriebenen Orgel (Calliope).
Ein einmanualiges Positiv mit drei Registern hat Post Audio Media für HW 1 im Programm; ein weiteres Instrument soll folgen.
Andere Instrumententypen für Hauptwerk
Wenn auch die Pfeifenorgeln im Angebot von Hauptwerk-Sample-Sätzen überwiegen, so eignet sich die Software in gleicher Weise zum Spielen anderer Instrumentengattungen. Das Harmonium und andere windbetriebene Intrumente sind für die Möglichkeiten der Windmodellierung in HW 3 wie geschaffen. Daneben lassen sich Cembali, Clavichorde und andere, in ihrer Anschlagdynamik vergleichsweise starre Instrumente übertragen. Da es nur um wenige Fußlagen und damit um vergleichsweise geringe Polyphonie geht, kann Hauptwerk mit wenig RAM ungeloopte Samples in voller Länge vom Anreissen der Saite bis zum Ausklang abspielen - kein Vergleich etwa zu den mehr als bescheidenen Nachahmungen im GM-Repertoire.
Cembali/Spinett/Clavichord
Milan Digitalaudio nutzt Hauptwerk für die Wiedergabe eines zweimanualigen Saxon-Cembalos von Willaert Martin, das durch seinen Klangrealismus verblüfft und sogar mit einigen zusätzlichen Samples als Pedalcembalo gespielt werden kann.
Jean Yves Garet bietet den Sample-Satz eines Cembalos als kostenlosen, aber mit einer Registrierung verbundenen Download an. Orgelbits hat sich dieses Blanchet-Cembalo angesehen; es lässt sich ebenfalls mit einem Pedal ergänzen.
Über ein attraktives italienisches Spinett vom gleichen Anbieter berichten wir hier.
Die Besprechung eine kleineren italienischen Instruments und eines zweimanualigen Taskin-Cembalos ist in Vorbereitung.. Die Sample-Sätze sind frei ladbar.
Das erste Clavichord für Hauptwerk ist bei den Instrumenten von Sonus Paradisi aufgeführt.
Von Sygsoft (NL) kommt die Übertragung eines von einem Amateur gebauten Cembalos nach HW 2 auf diesen Seiten.
Im November 2004 stellte Paul Delferriere als Erster den Sample-Satz eines historischen Druckwind-Harmoniums für HW 1 aus der Werkstatt von A. Debain vor. Dazu befasst sich Orgelbits einleitend mit dem Thema Harmonium und Hauptwerk.
Carillon
Für den Import nach HW 2/3 eignet sich ein großes dreimanualiges und kostenlos ladbares Carillon, das von Leo Christopherson zusammengestellt wurde. Zur Besprechung geht es hier.
Eine Anmerkung zu den Besprechungen: Da die Anzahl der aus mehreren Sample-Sätzen zusammengesetzten virtuellen Instrumente (Patchwork-Orgeln) ständig zunimmt, werden schon aus Platzgründen hauptsächlich authentische, real vorhandene oder deutlich daran angelehnte Instrumente vorgestellt.
Weitere Links und Informationsquellen
Eine umfangreiche Enzyklopädie der Orgelregister ist bei Edward L. Stauffs Organstops im Werden. Neuerdings gibt es auch Klangbeispiele von Registern, die verschiedenen Hauptwerk-Samplesätzen entnommen wurden (Java einschalten).