Hauptwerk 3.00 im Detail (3)

Virtueller Spieltisch der Orgel St. Anne, Cornwall
Alle Bedienelemente können frei nach dem Original mit fotorealistischer Genauigkeit gestaltet werden und sind voll funktionsfähig. Mit etwas Aufwand lassen sich daher die Bedienelemente des Vorbildes auf ergonomischen Bildschirmzugriff optimieren.

Hauptwerk 3.00 ist in den Versionen Basic und Advanced erhältlich. Besonders die Adavanced-Ausgabe stellt recht hohe Ansprüche an die Systemleistung sowohl bei Apple- als auch bei Windows-Rechnern. Während sich viele kleinere Orgeln bereits mit dem 32-Bit-Betriebssystem Windows XP zufriedenstellend spielen lassen, ist für ausgesprochen große Orgeln (mit kräftigen Raumanteilen) die 64-Bit-Edition von Windows eine unbedingte Voraussetzung, um die Anforderungen an die Polyphonie zu erfüllen; hier wirkt sich jedes Register unmittelbar aus. Im Gegensatz zu anderen Software-Samplern werden die zu spielenden Samples ausschließlich im RAM spielbereit vorgehalten, so dass die Kapazität des Hauptspeichers über die Größe eines störungsfrei zu spielenden Instrumentes entscheidet. 32-Bit-Windows-Betriebssysteme mit einem Adressbereich von 2GByte (bzw. 3 GByte mit einem speziellen Switch bei XP Pro) setzen dabei unüberschreitbare Grenzen. Bei einem 64-Bit-Betriebssystem müssen natürlich auch Audioseite und MIDI-System von den Treibern her voll unterstützt werden. Apple-Rechner des Typs MAC Pro können selbst mit dem aktuellen 32-Bit-Betriebssystem 4GByte Speicher adressieren! Mit OS X 10.5 in der 64-Bit-Version sind dann auch mehr als 8 GByte anzusprechen.
Selbst dann spielt die eigentliche Rechnerperformance eine wesentliche Rolle, denn viele der neuen Merkmale von HW 3.00 beruhen auf der Rechnermodellierung orgeltypischer dynamischer Vorgänge, wie sie bei der Tonerzeugung in einer Pfeifenorgel ständig ablaufen. Beispielsweise betrifft sie die Stabilität des Spielwindes, zu deren Prüfung Johann Sebastian bekanntlich eine sehr robuste Methode verwendete, indem auf einem Manual einen Akkord in höher Lage spielte, während er die Füße quer auf das Pedal stellte, um bei gezogenen 16'- oder 32'-Registern zu hören, ob sich der Akkord in der Tonhöhe veränderte.

Auch während des Spielens beeinflussen subtile Änderungen des Spielwindes die Stimmungsverhältnisse in mehr oder weniger starkem Maße und tragen wegen der zugehörigen Ausgleichsvorgänge zur sehr wohl wahrgenommenen Lebendigkeit des Klanges bei. Wer auf solche Details Wert legt, sollte sich die Concert-Edition anschaffen.
Die Modellierung umfasst auch eine Echtzeit-Obertonveränderung (Filterung) je nach Stellung des Schwellerpedals; d. h. Schließen und Öffnen des Schwellkastens werden per Rechenvorgang nachgebildet. Auch die Erzeugung des Tremulants ist eine Aufgabe der Modellierung; sie findet anhand eines oder mehrerer Tremulant-Samples statt, deren Eigenschaften auf jeden einzelnen Ton eines gespielten Registers übertragen werden. Und auch diese Vorgänge hängen unmittelbar von der Performance des PCs ab. Wer es mag. kann eine Crescendowalze mit frei wählbarer Register-Zu- und -Abschaltung programmieren, sofern dies im Sample-Satz vorgesehen ist. Des weiteren gibt es nun Mehrfachlayering von Samples mit Überblendung, Perkussionsklänge und Second Touch - eine bei Theaterorgeln übliche Spielhilfe.
In einer Beziehung übertrifft die virtuelle Orgel sogar die Klangformung des Vorbildes: In HW 3.00 sind ganze Register auf einfache Weise am Bildschirm zu intonieren, d. h. in ihrer Obertoncharakteristik zu beeinflussen (Voicing) - die Voraussetzung ist die Freigabe dieser Funktion in der Concert-Edition durch den Sample-Produzenten. So wird aus einem Prinzpal 4' mit einigen Mausbewegungen eine engmensurierte, deutlich mehr "streichende" Gambe! Jiri Zurek hat dazu einige sehr aufschlussreiche Klangbeispiele ins Netz gestellt, die sich teilweise auf die Orgel von Zlata Koruna beziehen.

Zur Hauptseite | Zum Seitenanfang | Die Renaissanceorgel von Doksy-Kruh | Theaterorgeln in HW ab Version 2.0


E-Mail: orgelbits (at) online.de (Leerzeichen entfernen und "at" durch das entsprechende Symbol ersetzen.)