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Die Christiaan-Müller-Orgel von Oosterwijtweerd (HW ab v2) |
![]() Der Spieltisch befindet sich an der linken Seitenwand. |
Oosterwijtwerd ist ein kleines Dorf, entstanden im Mittelalter auf einer Warft - einer für diese seenahe Landschaft typischen Anhöhe, aufgeschüttet über Jahrhunderte mühsam aus Mist und Klei (stark tonhaltigem Marschboden), um den Ort vor Sturmfluten zu bewahren. Warften waren im gesamten Küstengebiet bis nach Dänemark weit verbreitet. Die auf einer solchen Aufschüttung errichtete Marienkirche aus dem Jahr 1175 war lange Zeit ein Ort der Marienverehrung, sodass sich bis zur Reformation viele Pilger dahin begaben; der Name der Kirche blieb jedoch erhalten. Sie gehört zusammen mit den Kirchen von Marsum und Eenum zu den ältesten Backsteinbauten dieses Teils der Provinz Groningen. Seit 1845 steht in der Kirche von Ooosterwijtweerd eine Orgel von Christiaan Müller, gebaut 1741 als Kabinettorgel - eine für unsere schnellebige Zeit kaum verständliche Transaktion, die deutlich für die Qualität des Instruments spricht. Christiaan Müller (1690 bis 1769) kam wahrscheinlich im Kielwasser von Arp Schnitger nach Holland, um sein Glück zu erproben und ließ sich in Amsterdam nieder. Innerhalb weniger Jahre konnte er sich einen außergewöhnlichen Ruf als Erneuerer niederländischer Orgeln erwerben. Müller baute die Kabinettorgel - eine kleine Schwester der bekannten großen Instrumente Grote Kerk in Leeuwarden und St.Bavokerk in Haarlem wahrscheinlich als Hausorgel für eine (Patrizier?-)Familie, die in der Provinz Groningen ein Steinhaus (Borg) bewohnte. Es ist nicht bekannt., wie lange die Orgel dort ihren Dienst tat. Im März 1848 erschien im Courant, der Groninger Provinzzeitung, eine Anzeige, in der eine "ausgezeichnete Hausorgel, sehr geeignet für eine kleine Kirche" angeboten wurde; als Preis nannte man "um 200 Gulden". Der Handel mit der Gemeinde kam zustande, so dass die Orgel noch im Dezember des gleichen Jahres in Betrieb genommen werden konnte. Der damals zuständige Orgelbauer Freytag beschränkte sich auf Hinzufügen eines angehängten Pedals, ließ das Instrument aber sonst unangetatstet. Auch 1895 fügte man nur die Register Prestant 4' und Viola di Gamba (auf der Basseite) hinzu; das Pfeifenwerk blieb völlig intakt. 1950 erfuhr die Tonhöhe eine Anpassung und möglicherweise fügte man zu dieser Zeit auch das Sesquialter (im Diskant) hinzu. |
Eine komplette Überholung erfolgte 1996 im Auftrag der Stiftung Groninger Kirchen, zu der auch die Marienkirche gehört; dort gehen auch Spenden für diesen von Sygsoft angebotenen, auch von den Crumhorn Labs-Seiten frei herunterladbaren Sample-Satzes hin. Bei allen Aktivitäten blieb der historische Bestand an Pfeifenmaterial von Christiaan Müller völlig unberührt; selbst das Manual stammt bis auf die Beläge noch vom Erbauer. Die originale Disposition ist hier aufgelistet.
Die Ansprüche an den Arbeitsspeicher sind in recht weitem Umgang zu dosieren; maximal (alle Funktionen aktiviert) werden 1,4 GByte und im Minimum 404 MByte benötigt. Noch weiter zu reduzieren, würde die Umstellung auf 14 Bit Auflösung bedingen und damit deutliche Abstriche bei der Audioqualität bewirken. Fred de Jong weist darauf hin, dass Hauptwerk zwar ab Version 2.xx spielbar ist, aber HW 3.00 noch weitere Maßnahmen zur Speicherplatzersparnis bietet.
Die Tonhöhe der Orgel ist - wie beim Vorbild - a=435 Hz, ihre Stimmung gleichschwebend. Der Satz selber wurde im Format 24 Bit/96 kHz aufgenommen und in gleicher Auflösung, aber mit 48 kHz übertragen. Über einige Punkte, die in den Spezifikationen auf den Sygsoft-Webseiten nicht erwähnt werden, gibt die zum Satz gehörige Info-Datei (Show organ information) Auskunft. Demnach ist das Pedal ebenfalls angehängt und verwendet fünf der acht Manualregister - auch eine Art Multiplexing, die sich natürlich positiv auf die RAM-Belegung auswirkt. Es spielt die untersten 27 Töne aus dem Manualumfang mit. Der 16'-Bourdon als willkommene Ergänzung des virtuellen Abbildes ist ein Subbas 16', den man von der Boezemkerk entlehnt hat. Auch die Trigger-Samples für die Tremulant-Modellierung stammen von dort - keine wie es scheint, schlechte Lösung.
Sygsoft hat den realen Spieltisch mit seiner kargen Ausstattung ohne irgendwelche Verschönerungsoperationen, angepasst an sein virtuelles Gegenstück übernommen. Dazu gehören rechts ein Teil der Brüstung der Orgelempore, dahinter noch einige Pfeifen des Prospektes. Die beim Vorbild waagerecht über dem Manual angeordneten Manubrien sind auch hier vorhanden, wobei ihre Funktion durch einfache kreisrunde Symbole dupliziert wird. Bei Klick darauf bewegt sich der zugehörige Registerzug unter Farbwechsel ebenfalls. Möglicherweise hätte man durch eine etwas geschicktere Raumaufteilung der Fensterfläche die virtuelle Konsole noch etwas touchscreen-freundlicher gestalten können. Im Fenster für die Windversorgung mit Zeigerinstrumenten à la St.Anne befindet sich gleichzeitig der Capture-Einschalter für das Speichern von Kombinationen.
Virtueller Gesamtspieltisch
...und Windversorgung mit Capture-Setzer
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Zu einem realistätsnahen Gesamtklang gehören auch Trakturgeräusche von Manual und Pedal sowie vom Motor. Sie alle sind vorhanden und können deaktiviert werden. Obendrein lassen sich ein achtmaliger Stundenschlag der Glocke mit mehrfacher, addierender Auslösung und ein (kaum vernehmbares) Uhrticken einschalten.
Was die klangliche Seite anbetrifft, so ist die Handschrift eines wirklichen großen Orgelbaumeisters des 18. Jh. bis in diesen Sample-Satz hinein hörbar. Das Instrument ist hell, ohne klirrig oder rauh zu wirken, es hat in Holpijp 8' und Viola di Gamba zwei runde volle Fundamentregister im Manual, die sich durch gut verschmelzende Oberstimmen und den Sesquialter färben lassen. Weitere Registrierungsvarianten bietet der Prestant, wirksam ab MIDI# 60. Obwohl der Bourdon eine etwas andere Räumlichkeit als die übrigen Stimmen hat, fällt dies kaum auf, da die Pedallinien meist von anderen Registern begleitet werden. Nicht ganz verständlich ist, warum das b (MIDI# 58) der Octaaf 2' mit seinem starken Oberton so aus der Reihe fällt.
Die Demo-Clips zeigen eine milde, unaufdringliche, eher ins Dunkle schattierende Farbgebung, die man freilich bei eigenem Spiel deutlich abändern kann. Gut der Vergleich einer Bachschen Partita einmal mit und einmal ohne Bourdon. Für Liebhaber kleinerer Orgeln sollte dieses Opus in den festen Bestand gehören, zumal es preiswert ins Haus zu holen ist. Wer mit dem Download nicht zurecht kommt, kann bei Sygsoft eine ausgesprochen preiswerte DVD bestellen, die zudem noch eine Version für HW 1x enthält.
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